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Südafrika Teil 2

  • Autorenbild: barbaravanbuerck
    barbaravanbuerck
  • 27. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

Zwischen Wildnis und Wunder


Zimanga – Im Herzen von Zululand


Nach einigen erlebnisreichen Tagen in St. Lucia führt uns unsere Reise weiter nach Zimanga, einem wunderschönen privaten Wildreservat im Zululand, nur etwa eineinhalb Stunden entfernt. Schon kurz nach unserer Ankunft werden wir von den ersten Tieren begrüsst. Antilopen stehen zwischen den Büschen, Zebras ziehen durch die Ebene, Affen turnen in den Bäumen und eine Büffelherde lässt keinen Zweifel daran, dass wir mitten in der afrikanischen Wildnis angekommen sind.

Die Lodge selbst ist ein Traum. Sie lässt keine Wünsche offen und bietet alles, was man sich nach einem langen Tag draussen wünschen kann. Sogar ein Pool gehört zur Anlage. Genutzt haben wir ihn allerdings nie – dafür waren die Temperaturen schlicht zu kühl.

Der Alltag in Zimanga folgt einem einfachen, aber perfekten Rhythmus. Jeder Tag besteht aus zwei Aktivitäten. Safari-Game-Drives und Besuche in den verschiedenen Hides wechseln sich ab. Langeweile kommt dabei niemals auf. Jede Ausfahrt, jeder Ansitz bringt neue Begegnungen und neue fotografische Möglichkeiten.

Ein wichtiger Teil des Erlebnisses sind auch die Guides. Ihr Wissen über Tiere, Pflanzen und die Zusammenhänge in der Natur ist enorm. Egal welche Frage wir stellen – die Antwort kommt nicht nur schnell, sondern meist verbunden mit spannenden Geschichten und faszinierenden Details. Wie wertvoll dieses Wissen sein kann, wird sich später noch besonders zeigen. Doch dazu mehr im Abschnitt mit meiner zweiten Begegnung mit den Elefanten.



Unterwegs im Reservat


Jeder Game Drive beginnt mit der gleichen Frage: Was werden wir heute entdecken?

Jeweils kurz vor Sonnenaufgang oder am späten Nachmittag fahren wir hinaus ins Reservat. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Tiere zu sehen. Oft sind es gerade die kleinen Beobachtungen entlang des Weges, die einen Drive besonders machen. Eine Gruppe Zebras im goldenen Morgenlicht, eine Rotte Warzenschweine, die mit aufgestellten Schwänzen durchs Gras rennt, oder eine Gabelracke, die auf einem Ast auf ihre nächste Mahlzeit wartet.

Natürlich fehlen auch die grösseren Tiere nicht. Immer wieder begegnen wir Büffeln, Antilopen und Giraffen. Mit etwas Glück zeigen sich sogar Raubtiere, wie Geparden und Löwen, die letzteren werden uns noch viele zuckersüsse Momente bescheren.

Selbst wenn gerade keine spektakuläre Sichtung wartet, wird es nie langweilig. Die Landschaft verändert sich ständig und hinter jeder Kurve könnte bereits die nächste Überraschung warten.

Gerade als Fotograf geniesse ich diese Stunden besonders. Das weiche Licht am Morgen und am Abend sorgt für perfekte Bedingungen, während man gleichzeitig genügend Zeit hat, das Verhalten der Tiere zu beobachten. Oft entstehen die schönsten Bilder nicht bei den seltensten Tieren, sondern in den ruhigen Momenten dazwischen.

Jeder Drive verläuft anders. Genau das macht den Reiz aus. Man weiss nie, was einen erwartet – und gerade deshalb steigt die Spannung mit jedem Kilometer.



 




Die Löwenfamilie von Zimanga


Bereits vor Ankunft in Zimanga erfahren wir, dass sich im Reservat eine Löwenfamilie mit sechs Jungtieren aufhält. Natürlich hoffen wir von diesem Moment an auf eine Begegnung. Während der folgenden Game Drives halten wir immer wieder Ausschau und fragen uns, ob wir die Familie zu Gesicht bekommen werden.

Als es dann endlich so weit ist, werden wir nicht enttäuscht. Es ist frühmorgens, fast noch dunkel, als wir die beiden Weibchen mit den Jungen entdecken. Diese sind schon munter und toben sich aus. Das Licht fehlt noch, um schöne Fotos zu machen, somit beobachten wir und geniessen das emsige Treiben.

Nicht weit davon entfernt halten sich zwei Löwen auf. Gross, mächtig und beeindruckend mit ihren grossen Mähnen. Man sieht sofort, wer hier das eigentliche Sagen hat.

Das Licht wird langsam besser und mittlerweile fotografieren wir. Die Kleinen sind besonders spannend. Wie alle Kinder scheinen auch die jungen Löwen ihre Grenzen auszutesten. Immer wieder ärgern sie ihre Eltern, springen aufeinander herum oder versuchen, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu gewinnen. Die beiden Löwinnen und selbst die Männchen nehmen das Treiben mit erstaunlicher Gelassenheit hin. Geduldig tolerieren sie die kleinen Störenfriede und lassen die Jungen gewähren.

Die Kombination aus den mächtigen Männchen, den wachsamen Löwinnen und den verspielten Jungtieren macht diese Begegnung besonders eindrücklich.

Für uns gehört diese Sichtung zweifellos zu den Höhepunkten unserer Zeit in Zimanga.







Meine zweite Begegnung mit Elefanten


Wer meine Geschichte kennt, weiss, dass Elefanten für mich nicht einfach nur faszinierende Tiere sind. Sie lösen gleichzeitig auch grossen Respekt und eine gehörige Portion Angst aus. Umso überraschender war für mich selbst, was ich in Zimanga erleben durfte.

Schon in den Tagen zuvor hatte unser Guide viel dazu beigetragen. Immer wieder erklärte er mir das Verhalten von Elefanten, ihre Körpersprache und die verschiedenen Signale, die sie aussenden. Er zeigte auf kleine Details, die mir zuvor nie aufgefallen waren, und half mir zu verstehen, wann ein Elefant entspannt ist, wann er aufmerksam wird und wann man besser Abstand hält. Mit jeder Erklärung wuchs mein Verständnis – und damit auch mein Vertrauen.

Dieses neu gewonnene Vertrauen wurde schon während der Game Drives auf die Probe gestellt. Einmal begegnen wir Elefanten im Busch, deutlich näher, als mir lieb ist. Zwei Tiere (nur zwei, aber die waren riesig) stehen nur wenige Meter neben unserem Fahrzeug. Ich spüre, wie mein Puls ansteigt. Gleichzeitig erinnere ich mich an die Erklärungen unseres Guides. Statt nur die Grösse der Tiere wahrzunehmen, beginne ich ihre Körpersprache zu beobachten. Langsam weicht die Angst einer immer grösser werdenden Faszination.

Dennoch sollte die eindrücklichste Begegnung erst noch folgen.


 

Overnight Hide - wenn die Nacht erwacht


Für viele Besucher endet der spannendste Teil des Tages mit dem Sonnenuntergang. Für Fotografen beginnt er dann erst richtig.

Die Overnight Hides werden für uns zum absoluten Höhepunkt unseres Aufenthalts. Gleich zweimal verbringen wir dort die Zeit von 15 Uhr nachmittags bis 9 Uhr am nächsten Morgen. Ausgerüstet mit Kamera, Proviant und viel Geduld beziehen wir unseren Platz und warten darauf, was die Nacht bringen wird.

Die Realität eines solchen Ansitzes ist allerdings weit weniger spektakulär, als viele vermuten. Die meiste Zeit passiert nämlich gar nichts. Tiere kann man nicht bestellen. Sie folgen ihrem eigenen Rhythmus und erscheinen dann, wenn sie es für richtig halten. Zwischendurch dösen wir auf den eher wenig komfortablen Feldbetten, beobachten die Dunkelheit oder lauschen einfach den Geräuschen der Nacht.

Ein dauerhaft brennendes Backlight, oder Frontlight erhellt die Umgebung leicht und ermöglicht das Fotografieren. Blitzlicht ist strengstens verboten – und das aus gutem Grund. Die Tiere sollen sich völlig natürlich verhalten und nicht durch aggressives Licht gestört werden.

Gerade diese Mischung aus Geduld, Spannung und völliger Ungewissheit macht den Reiz aus. Man weiss nie, was als Nächstes passieren wird. Und genau deshalb wird jede Begegnung zu etwas Besonderem.




Die Geduld wird belohnt


Die langen Stunden im Overnight Hide sind nicht immer von Action geprägt. Oft vergeht viel Zeit, ohne dass sich am Wasserloch etwas bewegt. Genau das macht die besonderen Momente aber umso wertvoller.

Immer wieder erscheinen Tiere aus der Dunkelheit, trinken kurz und verschwinden genauso lautlos wieder, wie sie gekommen sind. Manche Begegnungen dauern nur wenige Minuten, andere erlauben uns längere Beobachtungen.

Besonders eindrücklich sind die Nashörner. Fast geräuschlos treten sie aus der Dunkelheit hervor. Im schwachen Licht wirken ihre massigen Körper beinahe urzeitlich. Ruhig und aufmerksam nähern sie sich dem Wasser, während wir jede Bewegung beobachten. Es sind Begegnungen, die Ehrfurcht auslösen und uns einmal mehr bewusst machen, wie privilegiert wir sind, diese bedrohten Tiere in ihrer natürlichen Umgebung erleben zu dürfen.

Auch Büffel besuchen regelmässig das Wasserloch. In der Nacht wirken sie noch massiver als tagsüber. Ihre kräftigen Körper und die gewaltigen Hörner zeichnen sich gegen die Dunkelheit ab. Oft stehen sie lange am Wasser und beobachten aufmerksam ihre Umgebung, bevor sie wieder in der Nacht verschwinden.

Gerade diese Vielfalt macht den besonderen Reiz eines Overnight Hides aus. Man weiss nie, welches Tier als Nächstes auftauchen wird. Jede Bewegung am Wasserloch lässt die Spannung steigen und jedes Rascheln in der Dunkelheit könnte der Beginn einer unvergesslichen Begegnung sein.



Dem Riesen ganz nah


Während unseres Aufenthaltes im zweiten Overnight Hide taucht plötzlich ein riesiger Elefantenbulle am Wasserloch auf. Aus dem Nichts steht er vor uns. Gewaltig, ruhig und vollkommen souverän.

Sofort schiesst mein Adrenalinspiegel in die Höhe. Doch diesmal ist etwas anders. Ich bleibe ruhig.

Durch das Weitwinkelobjektiv betrachtet wirkt alles kontrollierbar. Der Elefant füllt zwar beinahe das gesamte Bild, aber durch die Kamera entsteht eine gewisse Distanz. Sobald ich jedoch neben der Kamera vorbeischau, wird mir seine tatsächliche Grösse bewusst. Plötzlich steht dort kein Motiv mehr, sondern ein gigantisches Lebewesen, dessen Dimensionen kaum zu begreifen sind.

Und trotzdem: Keine Panik.

Zum ersten Mal gelingt es mir, einem Elefanten so nahe zu sein, ohne dass die Angst die Kontrolle übernimmt.  Stattdessen überwiegt die Faszination. Ich beobachte jede Bewegung, jedes Geräusch und jeden Atemzug.

Minutenlang bleibt der Bulle am Wasserloch. Für uns Fotografen ist es ein Traum. Für mich persönlich ist es noch viel mehr. Es ist der Moment, in dem mir bewusst wird, wie sehr sich meine Einstellung zu diesen beeindruckenden Tieren während der Reise verändert hatte.

Als der Elefant schliesslich wieder in der Dunkelheit verschwindet, bleibt ein Gefühl zurück, das sich nur schwer beschreiben lässt. Die entstandenen Bilder gehören zu meinen Lieblingsaufnahmen der gesamten Reise. Doch noch wertvoller ist die Erinnerung an diesen Augenblick.

Von allen Erlebnissen in Südafrika ist dies mein persönliches Highlight – die seltene Kombination aus einer aussergewöhnlichen fotografischen Gelegenheit und dem Gefühl, eine langjährige Angst ein Stück weit überwunden zu haben.



 

Mehr als nur Fotos


Als unsere Zeit in Südafrika langsam zu Ende geht, bleiben unzählige Erinnerungen zurück. Erinnerungen an Sonnenaufgänge über der Savanne, an die Geräusche der Nacht, an riesige Elefanten, majestätische Löwen, süsse Löwenbabies, beeindruckende Nashörner und an Begegnungen, die sich tief ins Gedächtnis eingebrannt haben.

Natürlich kehre ich mit tausenden Bildern nach Hause zurück. Viele davon werden mich noch lange an besondere Momente erinnern. Doch die wertvollsten Souvenirs lassen sich nicht auf einer Speicherkarte festhalten.

Es sind die Gefühle, die bleiben. Das Staunen bei einer unerwarteten Sichtung. Die Spannung während langer Stunden im Hide. Die Ruhe, die man nur fernab von Alltag und Hektik findet. Und die Erkenntnis, dass manche Ängste kleiner werden können, wenn man sich ihnen stellt.


Südafrika hat mir einmal mehr gezeigt, warum mich die Naturfotografie so begeistert. Es geht nicht nur darum, Tiere zu fotografieren. Es geht darum, Zeit in ihrer Welt verbringen zu dürfen, sie zu beobachten, ihre Geschichten zu erleben und für einen kurzen Moment Teil davon zu sein.

Mit unzähligen Erinnerungen, vollen Speicherkarten und dem festen Wunsch zurückzukehren, endet diese Reise.


Die Faszination Afrika aber bleibt.



 

 



 

 
 
 

6 Kommentare


Mario
27. Juni

Liebe Barbara, ganz ❤️ lichen Dank, dass Du uns auf diese Weise auf Deine Reise mitgenommen hast. Ganz tolle Fotos und so geschrieben, dass man mitfiebert und das Gefühl hat neben Dir zu sein. Merci viilmoll! LG

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barbaravanbuerck
barbaravanbuerck
27. Juni
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Vielen herzlichen Dank! Ich freue mich sehr, dass meine Geschichte berührt und dass sie dem Leser das Gefühl gibt dabei zu sein. Dann macht es umso mehr Spass zu schreiben. Liebe Grüsse Barbara

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Gast
27. Juni

Gibt es einen dritten Teil? Ich hoffe doch sehr!

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barbaravanbuerck
barbaravanbuerck
27. Juni
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Ein dritter Teil ist eigentlich nicht geplant, aber wer weiss vielleicht überdenke ich das nochmals.

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Gast
27. Juni

Fantastische Erlebnisse und Fotografie auf höchstem Niveau. Es freut mich auch, dass du ein wenig mehr Vertrauen in die Elefanten bekommen konntest.

Herzliche Grüsse aus dem Tessin

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barbaravanbuerck
barbaravanbuerck
27. Juni
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Vielen Dank! Ich freue mich sehr über das schöne Kompliment! Eine riesige Portion Respekt und auch ein bisschen Angst bleib immer noch, bezüglich der Elefanten 😅

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