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Spanien - 34 Stunden warten auf sieben Minuten

Autorenbild: barbaravanbuerck
barbaravanbuerck
vor 6 Tagen
5 Min. Lesezeit

Auf der Suche nach dem Iberischen Luchs


Ein ganz besonderes Ziel

Manche Tiere sieht man auf einer Reise eher zufällig. Für andere fährt man ganz bewusst los, verbringt Stunden mit Warten und hofft darauf, dass am Ende ein paar wenige Augenblicke bleiben. Der Iberische Luchs gehörte für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Meine Reise nach Spanien Ende August 2026 hatte deshalb ein klares Ziel: den Iberischen Luchs fotografieren – und wenn alles perfekt laufen würde, vielleicht sogar einen Luchs mit Nachwuchs. Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde.

Wie viel Geduld diese Reise tatsächlich von mir verlangen würde, hatte ich allerdings unterschätzt.


Spanien im Spätsommer – wunderschön und gnadenlos heiss

August in Spanien.

Schon am frühen Morgen, wenn es noch kalt ist, merkt man, was einen später erwartet. Sobald die Sonne höher steigt, wird die Hitze erbarmungslos. An vernünftiges Fotografieren während des Tages ist nicht zu denken. Deshalb beginnt unser Tag sehr früh. Noch in der Dunkelheit geht es los, damit wir rechtzeitig vor Sonnenaufgang im Hide sitzen. Am Abend dasselbe Spiel: Erst wenn die grösste Hitze langsam nachlässt, es sind immer noch 35 Grad, beginnt die zweite Chance des Tages. Der grosse Vorteil dieser Jahreszeit ist allerdings das Licht.

Und was für ein Licht.


Wenn alles golden wird

Die goldene Stunde in dieser Landschaft ist fantastisch.

Die tief stehende Sonne taucht das trockene Gras in warme Gold- und Ockertöne. Das Licht fällt weich durch die Büsche, und selbst die staubige, Landschaft beginnt zu leuchten. Genau in diesem Licht wünsche ich mir den Luchs. Einmal aus dem Schatten treten. Einmal für ein paar Sekunden stehen bleiben. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Zumindest theoretisch.



Im Hide – warten, schwitzen, hoffen

Fotografiert wird aus Hides heraus. Kleine, manchmal grössere Verstecke mitten in der Landschaft, vor denen sich Wasserstellen befinden. Die Tiere werden nicht angefüttert. Sie entscheiden selbst, ob und wann sie zum Wasser kommen. Das bedeutet vor allem eines: Warten.

Und im spanischen Spätsommer bedeutet Warten gleichzeitig auch Schwitzen.

Im Hide steht die Luft. Draussen ist es heiss, drinnen noch heissercund oft stickig. Ohne Ventilator wäre es kaum auszuhalten. Man sitzt auf seinem Platz, die Kamera vor sich, beobachtet durch die Öffnung jeden Busch und jede Bewegung.

Warten.

Schwitzen.

Hoffen.

Und wieder warten.


Ich hatte mir das einfacher vorgestellt

Natürlich wusste ich vorher, dass es zu einem Geduldspiel werden würde.

Trotzdem hatte ich mir die Sache mit dem Luchs ein wenig einfacher vorgestellt.

Vielleicht kommt er morgens zum Wasser. Vielleicht am Abend. Vielleicht läuft er zumindest einmal vor dem Hide vorbei. Die Realität sieht anders aus. Stunde um Stund vergeht. Man hört etwas im Gebüsch und ist sofort hellwach. Ein Schatten bewegt sich – der Puls steigt.

Dann ist es "nur" ein Vogel.

Oder ein Hase.

Und irgendwann beginnt man sich zu fragen:

Kommt heute überhaupt noch einer?



34 Stunden

Am Ende sind es insgesamt rund 34 Stunden Ansitz. 34 Stunden im Hide. Beobachten. Schwitzen. Warten. Hoffen. Und diesen 34 Stunden stehen am Ende ungefähr sieben Minuten Luchssichtung gegenüber. Drei verschiedene Iberische Luchse. Wobei selbst diese sieben Minuten noch grosszügig gerechnet sind.

Eine der Sichtungen dauert ungefähr eine Minute und findet praktisch noch im Dunkeln statt. Fotografieren ist nicht möglich. Bleiben nur wenige Minuten.

Und plötzlich muss alles sehr schnell gehen.



Und dann ist er da

Nach all den Stunden passiert genau das, worauf ich die ganze Zeit gewartet habe.

Ein Luchs erscheint.

Keine lange Vorwarnung. Keine gemütliche Vorbereitung.

Plötzlich ist er einfach da.

Die Kamera hoch, fokussieren, Bildausschnitt, Belichtung – und gleichzeitig versuchen, diesen Moment überhaupt bewusst wahrzunehmen.

Denn ich weiß nicht, ob er zehn Minuten bleibt.

Oder zehn Sekunden.

Das wunderschöne Licht, die trockene Landschaft und dieser seltene Luchs passen für einen kurzen Moment perfekt zusammen.

Dann verschwindet er wieder.

So schnell kann es gehen.

Stundenlang passiert nichts – und plötzlich entscheiden wenige Sekunden darüber, ob man mit einem Foto nach Hause kommt.



Drei Luchse – sieben Minuten

Insgesamt sehe ich während der Reise drei verschiedene Iberische Luchse.

Sieben Minuten.

Wenn man diese Zahl den 34 Stunden im Hide gegenüberstellt, klingt das beinahe absurd.

Aber genau das ist Wildtierfotografie.

Es gibt keine Garantie.

Die Tiere werden nicht für uns angelockt. Niemand kann sagen, wann ein Luchs auftaucht oder ob überhaupt einer kommt.

Und vielleicht macht genau das die wenigen Minuten so wertvoll.

Denn trotz allem entstehen einige Fotos, mit denen ich sehr glücklich bin.



Der Wunsch, der offen blieb

Ein Ziel hatte ich mir für diese Reise besonders gewünscht.

Einen Luchs mit Nachwuchs. Genau diese Begegnung sollte jedoch nicht sein.

So viele Stunden ich auch wartete, die erhoffte Situation mit den Jungtieren ergab sich nicht. Natürlich ist da ein wenig Enttäuschung. Aber Naturfotografie funktioniert nicht nach Wunschliste. Man kann planen, recherchieren, früh aufstehen und stundenlang warten. Was am Ende geschieht, entscheidet die Natur.


Wenn der Luchs nicht kommt

Zum Glück bedeutet ein leerer Platz vor dem Hide nicht, dass nichts passiert.

Die Wasserstellen ziehen zahlreiche andere Tiere an.

Kleine Vögel kommen immer wieder zum Trinken und Baden. Tauben landen am Wasser und Spechte sorgen zwischendurch für Abwechslung.

Dann kommen die größeren Besucher. Fasane und Rothühner laufen vorsichtig aus der Deckung und nähern sich dem Wasser. Gerade nach langen Phasen, in denen scheinbar überhaupt nichts passiert, sind solche Begegnungen eine willkommene Abwechslung. Die Kamera bekommt doch wieder etwas zu tun.


Hasen – und immer wieder die Hoffnung

Besonders häufig zeigen sich Hasen. Viele Hasen. Für mich sind sie schöne Fotomotive – für den Iberischen Luchs sind sie vor allem eines: Beute.

Und deshalb bekommt jeder Hase plötzlich eine zweite Bedeutung. Wo viele Hasen sind, ist vielleicht auch der Luchs nicht weit. Also wandert der Blick wieder zurück zu den Büschen. Vielleicht bewegt sich dort etwas. Vielleicht kommt er jetzt.

Vielleicht.



Unsere Finca – Ruhe mitten im Nirgendwo

Nach den langen Stunden im Hide geht es zurück in unsere Unterkunft.

Wir wohnen in einer wunderschönen Finca, weit abseits und umgeben von Landschaft und Ruhe.

Nach Stunden voller Konzentration ist genau diese Abgeschiedenheit angenehm. Kamera ablegen, etwas trinken, die Bilder des Tages anschauen – und vor allem versuchen, sich von der Hitze zu erholen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht.

Denn am nächsten Morgen klingelt der Wecker wieder früh. Sehr früh. Und die Hoffnung beginnt von Neuem.


Hat es sich gelohnt?

34 Stunden warten.

Sieben Minuten Luchs.

Ein gewünschtes Motiv, das nicht geklappt hat.

Und sehr, sehr viel Hitze.

Hat es sich gelohnt?

Ja.

Denn die wenigen Augenblicke mit den Luchsen waren intensiv. Und einige der entstandenen Fotos entschädigen für viele Stunden des Wartens und Schwitzens.

Aber eines weiss ich nach dieser Reise ebenfalls:

Im Sommer würde ich nicht noch einmal kommen.

Die Hitze macht die langen Ansitze extrem anstrengend. Selbst mit Ventilator im Hide wird irgendwann jede Minute zäh.



Wenn ich wiederkomme, dann im Winter

Der Iberische Luchs hat mich trotzdem nicht losgelassen. Vielleicht gerade deshalb, weil er es mir so schwer gemacht hat. Aber beim nächsten Mal würde ich etwas grundlegend anders machen. Nicht August. Nicht September. Im Winter. Kühlere Temperaturen, lange Stunden im Hide, ohne dabei langsam zu schmelzen. Diese Aussicht ist verlockend, auch wenn zu dieser Jahreszeit mit Sicherheit keine Jungtiere zu sehen sein werden. Dafür wären die Tage im Versteck vermutlich deutlich angenehmer auszuhalten.




 
 
 

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