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Costa Rica - Ein Paradies für Naturfotografen

  • Autorenbild: barbaravanbuerck
    barbaravanbuerck
  • 13. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. März





Der Moment, an dem alles begann – Mein erster Kolibri

Es war früher Morgen, die Luft noch kühl und feucht vom nächtlichen Regen und regnen sollte es quasi andauernd, was wir noch erfahren mussten. Ich stand mit meiner Kamera auf einer kleinen Terrasse irgendwo in Costa Rica, umgeben von einem Garten voller tropischer Pflanzen. Das Licht war weich, fast magisch.

Plötzlich ein leises Summen. Ein winziger Schatten schoss an mir vorbei und blieb abrupt in der Luft stehen. Ein Kolibri. Mein erster. Er schwebte vor einer Blüte, seine Flügel schlugen so schnell, dass sie nur noch als flimmernde Bewegung sichtbar waren. Das Gefieder schimmerte im Licht – in allen Farben! Ich hob langsam die Kamera, fast ehrfürchtig und verpasste ihn vor lauter Aufregung!


In diesem Moment wusste ich: Diese Reise würde anders werden als jede zuvor.

Kolibris haben etwas Hypnotisches. Sie sind schnell, elegant und gleichzeitig unglaublich präzise. Stundenlang stand ich dort und beobachtete sie – wie sie sich gegenseitig jagten, in der Luft stillstanden und blitzschnell von Blüte zu Blüte flogen. Ich war sofort in ihren Bann gezogen.



Unterwegs in den Nebelwäldern

Ein paar Tage später führte uns unsere Reise in die berühmten Nebelwälder Costa Ricas. Der Unterschied zum Regenwald war sofort spürbar. Hier oben in den Bergen lag eine mystische Stille über allem. Nebelschwaden zogen zwischen den Bäumen hindurch, während Moose, Farne und Orchideen jeden Ast überwucherten. Für Naturfotografen ist dieser Ort ein Traum. Das Licht ist weich, diffus und geheimnisvoll. Jeder Schritt offenbart neue Details: winzige Orchideen, leuchtende Pilze auf alten Baumstämmen und Spinnennetze, die vom Tau glitzern.

Wir wanderten durch diese grüne Welt, immer mit der Kamera bereit. Der Wald fühlte sich uralt an – fast wie eine Zeitreise. Und irgendwo dort oben, so sagte man, lebte ein Vogel, den viele Fotografen ihr ganzes Leben lang sehen wollen. Der Quetzal!


Die Begegnung mit dem legendären Quetzal

Noch vor Sonnenaufgang brachen wir auf. Der Weg führte steil bergauf, durch dichten Wald und über rutschige Pfade. Der Nebel hing tief zwischen den Bäumen. Es war kalt. Die Suche sollte sich als schwierig herausstellen und Sichtungen sind in der Natur nie garantiert. Doch wie so oft, zahlt sich Geduld und warten aus. Es verging einige Zeit und dann sahen wir ihn. Hoch oben auf einem Ast sass ein Quetzal – einer der schönsten Vögel der Welt. Sein Gefieder leuchtete smaragdgrün, und seine lange Schwanzfeder hing elegant unter dem Astr herab. Er bewegte sich ruhig, fast majestätisch. Ich stellte meine Kamera ein, hielt den Atem an und drückte ab. Dieser Moment war einer der Gründe, warum ich überhaupt nach Costa Rica gekommen war. Ein Vogel, der für die Maya einst heilig war – und jetzt sass er einfach dort, mitten im Nebelwald.

Fun Fact: Der Quetzal ist ein echter Feinschmecker – Avocados gehören zu seinen absoluten Lieblingsspeisen.



Die langsame Welt der Faultiere

Nach den schnellen Kolibris und den seltenen Quetzalen kam die nächste Begegnung mit einem völlig anderen Tempo: Faultiere. Das erste entdeckten wir in einer Baumkrone, fast perfekt getarnt zwischen den Blättern. Faultiere bewegen sich so langsam, dass man ihre Bewegungen kaum wahrnimmt. Doch gerade das macht sie so faszinierend. Mit dem Teleobjektiv konnte ich jedes Detail einfangen – die langen Krallen, das zottelige Fell und diesen leicht verschmitzten Gesichtsausdruck. Einmal drehte sich eines langsam zu mir und schaute direkt in die Kamera. Es wirkte fast so, als würde es lächeln. Ein besonders berührender Moment sollte aber erst später folgen: Hoch oben in den Ästen entdeckten wir ein weiteres Faultier – diesmal mit einem Baby. Das Kleine klammerte sich fest an den Bauch seiner Mutter und blickte neugierig in die Welt. Während die Mutter sich gemächlich von Ast zu Ast bewegte, hob das Junge ab und zu den Kopf, als wollte es alles ganz genau beobachten. Durch das Teleobjektiv konnte ich sehen, wie winzig seine Krallen waren und wie dicht es sich an das Fell der Mutter schmiegte.

Diese ruhige, fast zärtliche Szene wirkte wie ein stiller Kontrast zum geschäftigen Treiben des Regenwaldes um uns herum. Für einen Moment schien die Zeit noch langsamer zu vergehen – als hätten wir uns dem Tempo der Faultiere angepasst.



Tukane – Farben des Tropenwaldes

Wenn Kolibris die Juwelen des Gartens sind, dann sind Tukane die Clowns des Regenwaldes.Ihr riesiger Schnabel wirkt fast unrealistisch – gelb, orange, grün und schwarz zugleich. Als ich meinen ersten Tukan sah, sass er hoch oben in einem Baum und rief laut durch den Wald. Kurz darauf tauchte ein zweiter auf. Die beiden hüpften von Ast zu Ast, ein emsiges Treiben. Es war laut, lebendig und unglaublich fotogen. Die Herausforderung war das Licht. Der dichte Regenwald lässt nur wenige Sonnenstrahlen durch. Doch wenn ein Tukan genau in so einen Lichtstrahl fliegt, entstehen Bilder, die man nie wieder vergisst.




Wenn die Nacht erwacht – Fledermäuse

Mit dem Sonnenuntergang verändert sich der Regenwald. Die Geräusche werden lauter, geheimnisvoller. Zikaden beginnen ihr Konzert, Frösche rufen aus allen Richtungen, und über den Baumkronen erscheinen lautlose Schatten. Fledermäuse.

Sie schiessen blitzschnell durch die Luft, jagen Insekten oder fliegen zu blühenden Bäumen, um Nektar zu trinken. Manche sind kaum grösser als eine Maus, andere haben beeindruckende Flügelspannweiten. Mit blossem Auge sind sie schwer zu verfolgen, aber mit etwas Geduld, Knowhow und natürlich Gück konnten wir sie fotografieren. Es ist eine ganz andere Welt – eine nächtliche Version des Regenwaldes. Dies war eines der beeindruckendsten Erlebnisse auf unserer Reise.



Begegnungen auf den Ästen – Schlangen

Wer langsam und aufmerksam durch den Regenwald geht, entdeckt irgendwann auch seine heimlichen Bewohner. Schlangen und Spinnen. Viele Menschen fürchten sie, doch für Fotografen sind sie faszinierende Motive. Eine entdeckten wir zusammengerollt auf einem Ast – perfekt getarnt. Erst als sie sich leicht bewegte, erkannte ich ihre Form. Die Muster ihrer Haut waren unglaublich detailliert – wie ein kunstvolles Mosaik aus Farben und Formen. Ich fotografierte vorsichtig aus sicherer Entfernung, während sie völlig ruhig blieb. Im Regenwald lernt man schnell: Man muss nicht suchen, man muss nur genau hinschauen.





Kleine Juwelen – Frösche des Regenwaldes

Wenn es regnet, erwacht eine andere Welt. Auf Blättern, an Baumstämmen und zwischen Bromelien sitzen Frösche in den erstaunlichsten Farben. Manche sind leuchtend rot, andere knallgrün oder mit blauen Mustern. Einer der beeindruckendsten Momente war, als ich einen kleinen Rotaugenlaubfrosch und einen "BlueJeans" Frosch entdeckte. Beide in einer Farbe, die im dunklen Wald fast zu leuchten schien. Für Makrofotografie sind diese Tiere ein Traum.

Man muss sich nur langsam bewegen, die Kamera ruhig halten und den richtigen Moment abwarten.



Ein Land voller Leben

Costa Rica hat mich mehr überrascht, als ich erwartet hatte. Auf einer relativ kleinen Fläche findet man eine unglaubliche Vielfalt an Lebensräumen: Regenwälder, Nebelwälder, Mangroven, Strände und Vulkane. Und überall lebt etwas. Kolibris, Tukane und Quetzale in den Bäumen. Faultiere in den Kronen des Waldes. Fledermäuse am Nachthimmel. Schlangen im Unterholz. Und Frösche, die nach dem Regen ihre Stimmen erheben. Für Naturfotografen ist Costa Rica mehr als ein Reiseziel.

Es ist ein Abenteuer.


Der Blick durch die Kamera

Wenn ich heute durch meine Fotos dieser Reise blättere, sehe ich nicht nur Tiere.

Ich sehe Momente. Den ersten Kolibri im Morgenlicht. Den Quetzal im Nebel. Das Faultier, das mich ansah, als hätte es alle Zeit der Welt. Die Tukane im Regenwald. Und die leuchtenden Frösche nach einem tropischen Regenschauer. Costa Rica hat mir gezeigt, wie viel Schönheit in der Natur steckt – wenn man sich die Zeit nimmt, genau hinzuschauen. Und manchmal beginnt alles mit einem einzigen Summen in der Luft. Der Moment, in dem alles begann – mit meinem ersten Kolibri.




 
 
 

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